Das Gropiuszimmer gilt als die erste gesamtheitliche Raumkomposition der Moderne auf der Welt. Über viele Jahrzehnte vergessen, hatte sich die Bauhaus - Universität im Zuge der Sanierung des Hauptgebäudes 1997 entschlossen, das ehemalige Direktorenzimmer des Bauhausdirektors Walter Gropius, welches er 1923 für die "Große Bauhausausstellung" entworfen hatte, zu rekonstruieren und als nutzbaren Arbeitsraum einzurichten.

In künstlerischer Hinsicht zählt das Gropiuszimmer zu den wenigen Meisterarbeiten, die den Weg der klassischen Moderne eindrucksvoll kennzeichnen. Es entstand am Ende der vom Expressionismus gekennzeichneten Phase, als der Übergang zum konstruktivistischen und funktional bestimmten Gestalten schon erkennbar wurde, in einer Zeit, als Gropius als Bauhausdirektor diese Richtungsänderung maßgeblich selbst mit vorantrieb.

Die akribische und detailgerechte Rekonstruktion des Raumes und der verlorengegangenen Möbel und Textilien*, wurden durch den Architekten Gerhard Oschmann, welcher selber in den 60er Jahren in Weimar studierte, federführend umgesetzt.

Der im Ursprung rechteckige Raum wurde durch Gropius in einen 5 x 5 x 5m Kubus abgetrennt. Innerhalb dieses kubischen Raumes definierte er einen weiteren Kubus als "Ruhezone" durch den Quadratischen Teppich und die genau durchdachte Anordnung der Möbel. Zusätzlich in der Höhe markiert wurde der "Raum im Raum" durch die Sofittenbeleuchtung, einem für die damalige Zeit expressiven Gestaltungselement, das man zuvor von Gerit Rietvelt kannte und das später die Beleuchtung im Bauhaus Dessau kennzeichnete.

Lange Zeit dachte die Fachwelt, dass der auch als Designklassiker berühmte aus einzelnen Quadraten gebildete blau-gelbe Teppich von Gertrud Arndt für das Gropiuszimmer gedacht war, weil davon eine der wenigen colorierten Fotos überliefert waren. Dieser Teppich wurde aber nur zum Zwecke des Fotos in den Raum gelegt. Der eigentliche Teppich wurde von Benita Otte für das Gropiuszimmer hergestellt, was durch eine Archivaufnahme dokumentiert werden konnte.

Von den Möbeln werden in abgewandelter Form der Gropius-Sessel und das Sofa heute von der Firma Tecta aus Lauenförde hergestellt. Im Unterschied zu dem Original-Entwurf verwendet diese Reproduktion einen breiteren Fuß bzw. Kufe aus Holz.

* Teppich und Wandbehang entstanden in Zusammenarbeit mit dem STUDIO APHORISMA, Firenze-Italy,

Eine kleine Visualisierung des Raumes kann man unter http://www.gropiuszimmer.de finden.


Die Besichtigung des Raumes ist kostenlos nach Absprache mit dem Sekretariat der Bauhaus-Uni (Telefon +49 3643 583448) möglich. Es gibt keine festen Öffnungszeiten. Weitere Informationen Vorort im sog. Bauhaus.Atelier (Besucher- und Informationszentrum) im Innenhof des Hauptgebäudes (Geschwister-Scholl-Straße 6a, 99423 Weimar, Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10 – 16 Uhr)